Der Lotse Basel

KI

Software ist kein knappes Gut mehr. Was bedeutet das für KMU?

KI macht individuelle Software deutlich günstiger. Damit stellt sich für KMU eine Frage neu: eine weitere Plattform mieten oder eine eigene kleine Anwendung bauen lassen?

Viele kleine Boote liegen nebeneinander am Rheinufer vertäut.
Bild: mit KI erzeugt

Noch vor wenigen Jahren war individuelle Software für viele KMU schlicht zu teuer. Wer eine eigene Anwendung entwickeln lassen wollte, musste mit hohen Kosten und langen Entwicklungszeiten rechnen.

Das ändert sich gerade ziemlich schnell.

Dank künstlicher Intelligenz können Entwickler heute in deutlich kürzerer Zeit Software erstellen. Was früher mehrere Wochen dauerte, lässt sich teilweise in wenigen Tagen umsetzen. Und diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen.

Software war lange etwas, das sich nicht jedes Unternehmen leisten konnte. Doch wenn die Entwicklung immer einfacher und günstiger wird, verliert Software zunehmend ihren Status als knappes Gut.

Für KMU ist das grundsätzlich eine gute Nachricht. Für den Softwaremarkt könnte es allerdings einiges verändern.

Braucht es wirklich noch eine Plattform?

Wer heute ein Unternehmen führt, wird regelmässig mit neuen Softwareangeboten konfrontiert: KI-Plattformen, Workflow-Engines, Low-Code-Tools. Viele davon haben ihre Berechtigung. Trotzdem fragen wir uns, ob es sinnvoll ist, für jeden Prozess eine weitere Plattform einzuführen.

Für die Automatisierung der Offertenerstellung gibt es vermutlich ein Dutzend Tools, jedes mit eigenem Abonnement und einer gewissen Abhängigkeit vom Anbieter. Eine kleine, eigene Anwendung, die direkt mit den bestehenden Systemen arbeitet, ist vielleicht die einfachere Lösung. Weil die Entwicklungskosten sinken, lohnt es sich zunehmend, das zu prüfen.

Die Software zu bauen ist nur der Anfang

Bei der ganzen Begeisterung rund um KI-generierte Software geht ein wichtiger Punkt gerne vergessen: Eine Anwendung zu entwickeln und sie zuverlässig zu betreiben, sind zwei unterschiedliche Dinge.

Ein funktionierender Prototyp ist heute schnell erstellt. Im Geschäftsalltag muss die Software aber auch dann funktionieren, wenn sich Schnittstellen ändern, neue Anforderungen dazukommen oder Fehler auftreten.

Dazu gehören Updates, Backups, Datensicherheit und die laufende Wartung.

Das ist nicht besonders aufregend und lässt sich auch schlechter vermarkten als die nächste KI-Plattform. Für ein Unternehmen, das täglich auf seine Software angewiesen ist, sind genau diese Dinge aber entscheidend.

Wir gehen deshalb davon aus, dass sich der Wert professioneller Softwareentwicklung verschieben wird. Weniger hin zum eigentlichen Programmieren, stärker zum Verstehen der Geschäftsprozesse und zum langfristigen Betrieb der Lösungen.

Unabhängigkeit wird wichtiger

Eine weitere Frage ist, wem die Software und die Daten am Ende gehören.

Bei vielen Plattformen ist ein Wechsel zu einem anderen Anbieter aufwendig. Geschäftsprozesse wurden über Jahre innerhalb eines bestimmten Systems aufgebaut. Die Daten lassen sich vielleicht exportieren, die Abläufe und Automatisierungen aber nicht ohne Weiteres übernehmen.

Das muss kein Problem sein, solange Preis und Leistung stimmen. Unternehmen sollten sich dieser Abhängigkeit aber bewusst sein.

Individuelle Software kann hier Vorteile bieten, insbesondere wenn offene Technologien eingesetzt, Schnittstellen dokumentiert und der Zugriff auf Daten und Quellcode vertraglich geregelt werden.

Allerdings gilt auch: Individuelle Software ist nicht automatisch unabhängig oder günstiger. Ohne saubere Dokumentation und geregelten Unterhalt kann sie genauso zur Belastung werden.

Wenn KMU ihre Software selbst bauen

Denkt man das weiter, könnten KMU kleinere Anwendungen bald selbst bauen. Mit KI-Werkzeugen beschreibt man, was die Software tun soll, und prüft das Ergebnis, statt selbst zu programmieren. Man nennt das Vibe-Coding.

Der Vorteil: Die Person, die den Ablauf kennt, baut die Lösung. Die Disponentin weiss, welche Angaben auf einem Lieferschein zählen. Bisher musste dieses Wissen über Workshops und Pflichtenhefte zu den Entwicklern, und dabei ging oft etwas verloren.

Sobald die Anwendung im Alltag läuft, braucht es aber jemanden für Updates, Backups, Sicherheit und Support. Ein mögliches Modell: Das KMU baut mit seinem Fachwissen, ein Softwarepartner übernimmt danach Prüfung, Betrieb und Wartung.

Das klappt nur, wenn sich die Anwendung übergeben lässt. Wer selbst baut, sollte deshalb früh mit dem sprechen, der sie später betreuen soll.

Warum wir weiterhin auf persönliche Betreuung setzen

Wir glauben, dass KMU auch in Zukunft Partner brauchen werden, die sich um ihre Software kümmern. Vielleicht sogar mehr als heute.

Denn je einfacher es wird, neue Anwendungen zu erstellen, desto mehr davon werden im Einsatz sein, auch solche, die Unternehmen selbst gebaut haben. Und irgendjemand muss dafür sorgen, dass diese Systeme langfristig funktionieren.

Für uns bedeutet das, nicht nur Software zu entwickeln, sondern unsere Kunden auch danach zu begleiten. Wir möchten verstehen, wie ein Unternehmen arbeitet, welche Systeme bereits vorhanden sind und wo eine individuelle Lösung tatsächlich sinnvoll ist.

Als Schweizer Softwarepartner sind wir persönlich erreichbar und können Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung gemeinsam mit unseren Kunden planen.

Nicht jeder Prozess braucht eine Eigenentwicklung. Manchmal ist eine bestehende SaaS-Lösung die bessere und günstigere Wahl. Entscheidend ist, dass die Lösung zum Unternehmen passt und nicht umgekehrt.

Was bleibt, wenn Software immer günstiger wird?

Wir wissen nicht, wie der Softwaremarkt in fünf Jahren aussehen wird. Vielleicht übernehmen KI-Agenten Aufgaben, für die heute noch mehrere Plattformen benötigt werden.

Dass sich etwas verändert, scheint uns aber ziemlich sicher.

Für KMU entsteht dadurch die Möglichkeit, ihre Digitalisierung gezielter und unabhängiger zu gestalten.

Am Ende dürfte weniger entscheidend sein, wie schnell jemand eine Anwendung programmieren kann. Wichtiger ist, ob sie ein tatsächliches Problem löst, zuverlässig funktioniert und sich auch in einigen Jahren noch sinnvoll betreiben lässt.

Software wird einfacher zu entwickeln. Sich langfristig darauf verlassen zu können, bleibt wertvoll.